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Eine alte, vergessene Wallfahrt in Marzelstetten

Filed under: Allgemein — Winkelbauer @ 10:24

 

Der Weiler Marzel­stet­ten war schon im Jahre 1350 eine Pfar­rei. Zu den Anfän­gen der “Wall­fahrt zu den heili­gen drei Marzeller” gibt es keine fundierten Angaben. Kranke Kleinkinder von 6–12 Wochen wur­den mit­ge­bracht und um ihre Gene­sung gebetet.

Im Jahre 1405 ist erst­mals der Name Marzeller erwähnt. Zu einer Wall­fahrt ist nichts ver­merkt. 1495 kaufte das Kloster Heilig Kreuz aus Augs­burg in Marzell­stet­ten einen Hof Nr. 4 (Mußbauer) mit den dazuge­höri­gen Gütern. Das Kloster ließ daraufhin eine Kapelle erbauen. Diese Kapelle wurde am 4.9.1569 eingeweiht. Aus dieser Zeit stam­men auch die jet­zi­gen Fig­uren der drei Marzeller, zu denen sich die Wall­fahrt entwick­elte. 1753 wurde wegen Baufäl­ligkeit eine neue Kapelle errichtet. Im Rah­men der Säku­lar­i­sa­tion 1811 wurde die Kapelle abge­brochen und die Fig­uren nach Wertin­gen ver­lagert. 1820 kon­nte man eine Genehmi­gung für eine offene Feld­kapelle erre­ichen. 1846/47 wurde aus einer Stiftung des Bauern Michael Rauch die Kapelle neu erbaut, 1851 ein Turm ange­fügt und ein Altar errichtet. 1859 kon­nten nach Zus­tim­mung des Landgerichts Wertin­gen die Fig­uren der drei Marzeller wieder in der Kapelle aufgestellt wer­den. Kirch­lich gehörte Marzel­stet­ten zur Pfar­rei Zusamaltheim. Im Jahre 1343 hatte der Weiler nur den Namen “Stet­ten”. Um 1400 wurde der Patron­sname der Kapelle hinzuge­fügt und somit ent­stand der Ort­sname Marzel­stet­ten. Im Jahre 1320 ist auch ein Kleinadel, “Hans von Steten” erwähnt. Im 14 Jahrhun­dert kauften die Augs­burger Klöster Heiliges Kreuz und Sankt Catha­rina Güter in Marzel­stet­ten. 1353 erwarb das Sank Katha­rina Klöster auch den Kirchen­satz der Kapelle zu Stetten.

Östlich der Kapelle steht das Anwe­sen mit dem Namen Mußbauer, das im Besitz des Klosters Heiligkreuz war. Dieser Name entstammte aus der Auf­gabe des Hof­be­sitzers, die zu den Heili­gen Marzellern mit­ge­brachten kranken Kinder ein “Müßle” zu kochen. Er musste auch die Wall­fahrer, die teil­weise aus dem Pfalzneubur­gis­chen oder aus der Ulmer Gegend kamen, eine Nacht beherber­gen. Dafür erließ man ihm die Zehn­ten­s­teuer. Der Name “Mußbauer” ist seit 1672 nachgewiesen. Am 10. August 1672 schrieb der Zusamaltheimer Vogt über die Wall­fahrt zum Heili­gen Marzello in Marzel­stet­ten, dass sie immer mehr zu nehme und auch schon vor dem Dreißigjähri­gen Krieg bestand.

Im Chor­raum der Kapelle sind in der Altar­nische die Gnaden­bild­fig­uren der drei Marzeller aufgestellt. Früher waren diese Holz­fig­uren nur Bruch­stücke. Sie wur­den später zu voll­ständi­gen Fig­uren umgear­beitet. Die linke Figur, der Hl. Marzelli­nus, wird im Volksmund der “GROTER” genannt und bedeutet, dass er in guter Gesund­heit steht. Die rechte Figur, der Hl. Marzelli­nus und Petrus, wird als der “UNGROTER” oder “BLEIBER” beze­ich­net und bedeutet ein krän­kliches Dahin­siechen, jedoch nicht ster­ben. Die mit­tlere Figur, der Hl. Marzel­lus, wird als der “STERBER” beze­ich­net. Die Wall­fahrer zün­de­ten immer drei gle­ich­große Kerzen an, für jeden Heili­gen eine. Sie beteten so lange, bis eine der Kerzen erlosch. Das Kerzeno­rakel bedeutete dann das Schick­sal des kranken Kindes.

1950 nahm die Zahl der Wall­fahrer ständig ab. Nach Aus­sage von Georg Rauch “MUßBAUER”, der wie seine Vor­fahren den Mess­ner­di­enst ver­richtet, sind zwis­chen­durch immer noch Wall­fahrer in der Kapelle im Gebet anzutr­e­f­fen. Dem Brauch des Müßlekochens wird nicht mehr nachge­gan­gen. 1980 wurde die let­zte Ren­ovierung durchge­führt. Auch heute noch wird alle 6 Wochen Gottes­di­enst in der Kapelle gefeiert.

Kon­rad Bihler

Quel­lenangabe: Elis­a­beth Holand Hausar­beit zur 1. Staat­sprü­fung Lehramt an Grundschulen

Aus dem Pfar­rbrief der Pfar­reienge­mein­schaft Zusamaltheim zu Wei­h­nachten 2013

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